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Der Blick voraus in das Jahr 2030 ist ambitioniert. Um ein Gefühl für die Veränderungen zu bekommen, die in etwas mehr als zwei Jahrzehnten möglich sind, soll zunächst ein Blick zurückgeworfen werden. Wie sah der professionelle Fußball vor gut 20 Jahren aus? Nachfolgend werden deshalb einige typische Merkmale der Saison 1985/86 exemplarisch beleuchtet.
Viele Leser werden noch Erinnerungen an diese Zeit haben. Deutschland wurde 1986 Vizeweltmeister. Unter dem Teamchef Franz Beckenbauer standen im Kader der Nationalmannschaft Spieler wie Rudi Völler, Karl-Heinz Rummenigge, Andreas Brehme, Lothar Matthäus, Felix Magath oder Klaus Allofs. Fußballer des Jahres wurde Harald Schumacher. Namen, die jeder kennt - Personen, die noch heute das Fußballgeschäft prägen. Schaut man jedoch auf die wirtschaftlichen und organisatorischen Strukturen sowie die Medienlandschaft, ist der Fußball kaum noch wiederzuerkennen.
Organisationsstrukturen: Die Bundesligisten firmierten in der Rechtsform des Vereins. Die Ausgliederung der Lizenzspielerabteilungen aus den Vereinen und die Umwandlung in Kapitalgesellschaften begannen erst rund zehn Jahre später. Über alle Bereiche des Fußballs wachte allein der Deutsche Fußball Bund (DFB). Erst im Rahmen der zunehmenden Professionalisierung und Kommerzialisierung wurde im Jahr 2000 die Deutsche Fußball Liga (DFL) als eigenständige GmbH gegründet. Die DFL ist über ihre Muttergesellschaft - den Ligaverband - Mitglied des DFB und hat die operative Geschäftsführung der 1. und 2. Bundesliga übernommen. Zuschauerentwicklung: Das Zuschauerinteresse ist gewaltig gestiegen. Besuchten in der Saison 2008/09 durchschnittlich 42 528 Zuschauer die Bundesligaspiele, fanden 1985/86 gerade einmal durchschnittlich 17 665 und damit nicht einmal halb so viele Zuschauer den Weg in die Stadien. Noch deutlicher ist der Zuschauerzuwachs in der 2. Liga. In der vergangenen Saison besuchten durchschnittlich 15 733 (Saison 2007/08: 17 995) Zuschauer die Spiele der 2. Liga, 1985/86 waren es gerade einmal 4 158. Beim Vergleich mit den Erstligazahlen fällt auf, dass heute ungefähr so viele Zuschauer in Zweitligastadien gelockt werden wie in der Spielzeit 1985/86 in Erstligastadien. Spielerkader: Vor 20 Jahren spielten für die Bundesligisten fast durchweg deutsche Profis. Wegen der damals noch geltenden Ausländerbeschränkung durften maximal drei Ausländer pro Mannschaft gleichzeitig eingesetzt werden. Standen bereits drei Ausländer auf dem Platz und sollte ein weiterer Ausländer eingewechselt werden, so musste Ausländer gegen Ausländer gewechselt werden. In Einzelfällen kam es durch Unachtsamkeit der Trainer zu Wechselfehlern und späteren Entscheidungen "am grünen Tisch". So besiegte Eintracht Frankfurt am 22. Mai 1993 Bayer Uerdingen mit 5:2. Der Frankfurter Trainer ließ jedoch versehentlich kurzzeitig vier Ausländer spielen - die Partie wurde deshalb nachträglich mit 2:0 für Uerdingen gewertet. Mit dem sogenannten Bosman- Urteil entfiel die Ausländerbegrenzung im Jahr 1995. In der Folgezeit nahm die Zahl der ausländischen Spieler sprunghaft zu. Spieltage: Bundesligaspiele fanden am Freitag und Samstag statt. Ausnahmsweise wurden einzelne Spieltage auch am Dienstag und Mittwoch ausgetragen, man sprach dann von "englischen Wochen". Am Sonntag spielten ausschließlich die 2. Liga und die Amateure. Die Spiele der europäischen Wettbewerbe wurden dienstags und mittwochs absolviert, der Donnerstag war fußballfrei, ebenso der Montag - das Top-Spiel der 2. Liga am Montagabend ist eine Erfindung aus der jüngeren Vergangenheit. Alle Wettbewerbe wurden im K.-o.-System mit Hin- und Rückspiel ausgetragen. Inzwischen wurde der Europapokal der Landesmeister durch die Champions League ersetzt. Der Europapokal der Pokalsieger wurde abgeschafft, die nationalen Pokalsieger starten seit der Saison 1999/2000 im UEFA-Pokal. Sowohl die Champions League als auch der UEFA-Pokal haben als Austragungsmodus sowohl eine Gruppenphase als auch K.-o.-Runden. Fernsehberichterstattung: Die größte Veränderung fand auf dem Fernsehmarkt statt. 1985 existierte faktisch lediglich das öffentlich-rechtliche Fernsehen - also ARD, ZDF sowie die dritten Programme. Privatsender hatten zwar schon 1984 den Sendebetrieb gestartet, allerdings mit einem sehr reduzierten Programm und geringer Reichweite. Erst 1987/88 nahmen die ersten Privatsender konkrete Gestalt mit größerer Reichweite an. An Pay-TV war nicht zu denken. Die wichtigsten Sportsendungen waren die Sportschau in der ARD und das ZDF-Sportstudio. In der Sportschau am Samstag wurde die Zusammenfassung von lediglich drei Spielen ausgestrahlt. Wer mehr bewegte Bilder sehen wollte, musste sich bis zum ZDF-Sportstudio am Samstagabend gedulden, das gegen 22 Uhr begann. Live-Übertragungen von Bundesligaspielen gab es faktisch nicht. Mit Einführung des Privatfernsehens wurde die Berichterstattung deutlich ausgeweitet. der Befürchtung vieler Funktionäre führte die TV-Präsenz des Fußballs jedoch nicht dazu, dass weniger Zuschauer in die Stadien gingen. Im Gegenteil, das Fernsehen hat sich als wirksame Werbung für den Fußball entpuppt, und es hat sich eine fruchtbare Wechselbeziehung zwischen Stadionbesuch und Fernsehkonsum entwickelt. Der Fußball ist einer der wichtigsten Programmbestandteile für Fernsehsender. Durch die Einführung des Privatfernsehens ist Wettbewerb um die Fußballübertragungsrechte entstanden - zuvor gab es ein bilaterales Monopol - und der Wert der Fernsehrechte ist regelrecht explodiert. Fußball als Wirtschaftsfaktor: Fußballer galten schon Mitte der 80er-Jahre als Millionäre. Dennoch galt der Profifußball in Deutschland nicht als profitables Geschäft. Gewinne wurden oft umgehend in neue Spieler investiert, Rücklagen kaum gebildet. Vereine wurden damals selten nach betriebswirtschaftlichen Kriterien geführt. Dies hat sich durch die Umwandlung in Kapitalgesellschaften und die damit einhergehende Professionalisierung des Managements spürbar geändert. Das heutige wirtschaftliche Umfeld hat kaum noch Gemeinsamkeiten mit dem vor 20 Jahren. Die Finanzierung von Bundesligisten über den Kapitalmarkt wäre in der Saison 1985/86 undenkbar gewesen. (SON/HWWI/Berenberg Bank-Unternehmensinformationen, 19.08.2009)
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